[Entwurf] Fragment an der Theke
Sie hat mich sofort wieder erkannt: “Heute bist aber dran mit erzählen.”
Ich musste an Zitronen denken, als ich mich auf ihre Brüste konzentrierte; nur für ihren Hintern viel mir bei aller Mühe und allem Fusel kein Vergleich ein.
Ich mochte auch heute nicht reden und so setzte sie mich in eine Ecke. Mich mit meinem Tee und weil es hoffnungslos war, das Geflüster der beiden zu verstehen, nahm ich die Zeitung und vergrub mich hinter den großen Blättern.
Der Krieg war noch weit weg, aber er musste kommen. Sie waren alle so glücklich über ihre Waffen und sie waren so voller Hass und Neid auf die fröhlichen Russen. Ich konnte es nie ertragen, wenn sie Fräulein A. beschimpften und vor die Füße spuckten. Aber nicht einmal gegen die billigen Huren erhebe ich ein Wort…
wieder mal abschied – still
„M. kam das erste mal mit mir. Das erste Mal musst ich nicht zu den Huren gehen. Sie würden wohl denken, mich hätte eine Bombe getroffen.Oder ich sei wie alle die anderen Feiglinge geflohen; an die Waffe oder hinüber nach Brasilien. Nein, ich war immer noch in Paris und kämpfte meinen täglicher Kampf. Ich konnte inzwischen an verstümmelten Leichen, jammernden Weibern und einstürzenden Häusern vorbei gehen, wie an Hundehaufen und den Bettlern die früher meine Straße zu meiner Straße gemacht haben.
Nur an M. konnte ich nicht vorbei.
Ich bin der letzte Bettler von Paris, aber ich war auch der Beste. Und heute saß Sie bei mir. Sie fing an zu schreien, als ich meinen Kaffee umrührte. Nur, haben wir kein Wort darüber verloren. Wir haben überhaupt keine Wörter. Wie die großen Schauspieler saß Sie da. Die Beine überschlagen, dass ich, und nur ich, in den dunklen Schoß blicken konnte, schrie sie in bewundernswerter Frequenz. Sie schrie ihre Arie, ohne das die roten Lippen auch nur ein einziges Mal zitterten. Blonde Haarspitzen über hohen Brauen. Schwarze Wimpern über ängstlichen Augen. Alles Schwarz. Und wie ich die Tropfen von meinem Löffel in den Strudel aus Milch und Kaffee fallen lasse, hört sie langsam auf zu schreien.
Still, Viel stiller, als nach den Bomben steht sie auf und kommt zu mir und ich darf zum ersten Mal ihren Kaffee zahlen. Zum ersten Mal nach so langer Zeit in unserem Café. Der Preis ist hoch, noch nie saß Sie so nah. Noch nie war ich gezwungen sie anzusehen. Noch nie gab es keinen Ausweg, wenn ich ihren kokette Erwiderung nicht mehr ausgehalten habe. Den Magritte an der Wand. Ihr Spiegelbild in der Fassade. Meine Bücher. Alles was sie mir lässt, ist die Stille. Sie ist überall, aber überall herrscht diese wunderbare Stille. Das vollendet gefüllte Schweigen. Tag für Tag hab ich es bei den Huren gesucht. Und heute ist der erste Tag, an dem ich nicht zu ihnen muss. Ich muss viel weiter. Mit Dir, den langen Weg vom Café zu mir. Wenn ich ihn nur kennen würde.
Du bist so still, wehrst dich nicht und schaust mir nicht in die Augen.
Hast dich ergeben.
Nur niemals mir.
Du änderst mich.
Nur Solange du nichts tust.
Weil ich versuche alles zu sein was ich kann
Bis du weggehst
Ganz Still
Wie immer, bitte.
Ich werde dich verfolgen – solange du dabei lächelst. Solang du Herzen auf den Kaffee streust und die Sätze zwischen uns dem immergleichen Muster folgen. Solang ich dich bezahlen kann.
Dann werden es nie mehr als die zwei Kaffee sein. Zweimal drei Sätze bis du pünktlich Feierabend machst und ich die Bücher zuschlage. Denn wir werden getrennt Wege gehen, die niemanden etwas angehen. Die keiner kennt. Sie gehören nicht zu uns.
Wir haben nur die Schönheit der Routine. Deine Handgriffe an der Kaffeemaschine. Die präzise gefaltete Serviette. Und der intime Moment, indem du das Wechselgeld in meine Hand gleiten lässt. Jedesmal begleited von der existenziellen Frage, ob du mich dabei berühren wirst. Endlose Summen von Wechselgeld, bevor du mich wieder irgnorierst.
Sommerwinter
Weiße Flocken
Heiße Haut
Heiße Flocken auf
weißer Haut
kalt heiß – heiß kalt
weiße Flocken
Feuer heiß
feuern laut
weiße Haut
weiße Flocken sind
was mich brennt
auf heiße Haut
weiße Flocken
brennen
heiße Blitze
rennen
rennen weiß
rennen – Gedanken
- im Kreis
Fur and gold ——–
Sonne hell im Schnee. Gold Sonne. Engel längst hinter mir.
Schnee bleibt. Schnee treibt. Bleibt Sonne bleibe. Bleibe hier.
Bleibe Gold. Treibe Gold duch das Fell. Fell Gold Gold Feld.
Fell voller Schnee. Voller Sonne ich im Schnee. Stehe Held.
Stehe Sonne. Stehe Gold. Bleibt Gold dein Held bei Dir.
Gold bei Dir. Gold Sonne.
brief
Das sind keine Schübe. Das ist mein Wesen. So wie die alternierende Menschenliebe. Menschenhassliebe. Aber ich kann schlecht ohne Leute. Auch wenn ich auf meine Gegenbewohner mit Freude verzichten würde. Mitbewohner gegen Freude. Nicht mehr mit Ihnen zu reden wird sie verschwinden lassen. Als wären sie nie gewesen. Reden macht relevant. Zu jedem Zeitpunkt. Zeitstrich. Zeitstrahl. Von einem Punkt in die unwichtige Ewigkeit. Ohne Grenzen ist alles Nichts.Ohne Tränen auch. Dein Heulen war also hoffentlich gut. Salz auf rauen Lippen schmeckt. Schmerzt. Schmeckt nach Sehnsucht. Nach Meer. Das ist auch weiter weg vom Boden. Nur nicht in mittelloser Schwere. Mittelmäßiger Schwebe. Raumlosrumhängenundwartendasma
Du sagst nichts
Tagelang schon bist du wortlos. Wie wir alle wortlos werden, wenn wir nicht weiter wissen. Wortlos nicht wissen. Weiter. Weiter. Ohne Worte. Ohne Worte. Ohne Dich. Tränen. Tränen. Sieht man nicht. Sieht man nicht. Sieht sich nicht. Läuft sich über keinen Weg. Langer Weg. Weg ohne Worte. Tagelange Worte ausbreiten. Dir zu Füßen. Dir zu Füßen dein Weg. Der nicht geht. Niemand geht. Der dich wortlos führt. Ziellos führt. Ziellos Worte. Irgendwann. Wenn, keiner mehr, Worte braucht, Worte wieder Watte sind. Weich. Watteweichgespült. Lose Worte wie, keine Worte am, Ende keiner Wege. Wortlos bleiben wir. Wortlos leiden wir. Lieblos worten wir. Warten wir. Warten wir. Warten wir.
Beat: Juli Holz – Wo bist Du
verschwommen geht es
ich möchte wieder augen sehen
wieder deine augen sehen
wenn wir stehen wenn wir gehen
vorwärtsgehen
stehen stehen
wieder augen sehen
augen die mich sehen
die mich sehen
sehen beim stehen und beim gehen
mitgehen mitstehen
augen die sehen
sehen ob ich stehe ob ich gehe ob ich sehe
augen die zu mir wehen
mir entgegenwehen
beim gehen und beim sehen
ich möchte wieder augen sehen
ich möchte wieder deine augen sehen
wieder deine augen sehen
augen sehen
sehen
sprich – und lasse mich verdampfen
Dein Duft auf meiner Haut wird sich verlieren
So oft die Seife ihre Spuren zieht
Auf blasser Brust die schaumigweichen Schlieren
Im heißen Bad er doch verfliegt
So brauche ich mehr
Mehr Worte und mehr Seife
Kommts Du nicht her
So zeig doch deine Reife
Heb die stolzgeschwellte Brust
Sag mir, was du sagen musst
Nur SPRICH
Dann werd auch ich dir meine Liebe weiter sagen
Denn wie der Duft die Seife braucht,
So brauch ich deine Worte für die Liebe.
Und bin dann irgendwann
ganz aufgelöst
und lasse dich in Frieden.
Nebelbühne
In einem Monat werden wir uns sehen.
Hoffentlich.
-
Das ist im dichten Dauernebel
mein einziger Halt. Selbst das Café hat heute versagt. Die tausend Stimmen und Gesichter, die überbunten Schatten, nichts hält still und ich verfolge alles und ich sehe nichts. Der große Brei, er dringt nicht durch.
Nicht der wunderliche Schnauzer neben mir, der stoisch seine Pfeife streichelt, nicht das helle Kinderlachen, nicht der weiße Rahm, der in wildpilzschwerer Suppe dampft. Nicht, die weichen Augenbrauen jener blonden Schönheit die mir gegenüber sitzt.
Nichts.
Nichts, wenn ich nicht alle Kraft aufbringen würde, Dir zu schreiben. Dir zu schreiben, weil die Sehnsucht alles ist, was mich noch mutig handeln lässt im herbstfeuchten nebelweiß der sonstigen Egalitäten.
So gestärkt kann ich durch kühlen Regen wandern. Ein Blick auf die Bühne werfen die für Tage verhangen war. So hab ich wieder Kraft die Requisiten aufzustellen. Umzubauen. Ein wenig aufzubauen. Ein paar Stunden nur, bis der Vorhang wieder fällt.
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